Wie feiert man einen Geburtstag eines verstorbenen Kindes? Kann man das pauschal sagen? Ist das nicht viel zu individuell? Abhängig von Kind, Eltern, Familie und den Umständen? Also muss es nicht eher heißen:
Wie wollen wir den Geburtstag von Julius feiern?
Was macht Julius aus? Was verbinden wir mit ihm? Was soll zu seinem Geburtstag stattfinden?
Zum einen verbinden wir mit Julius Vögel. Vögel waren auf seiner Geburts- und Traueranzeige gemalt. Vögel, die Julius in den Himmel begleiten. Es sind kleine Vögel, die mich an ihn erinnern. Auf seinem Grab hat Julius ein Vogelhäuschen. Und wir füttern die Vögel, wenn wir am Grab sind und Julius besuchen.
Steine. Steine aus allen Regionen der Welt. Wir legen sie ans Grab und sammeln für Julius Steine, die wir oder unsere Familie und Freunde für Julius finden. Da gibt es Steine aus der Schweiz. Da gibt es Steine aus unserem Urlaub in der USA. Da gibt es Steine von Freunden, die an der Nordsee ihren Sohn beigesetzt haben. Da gibt es Steine aus einem Familienurlaub an der Ostsee. Es finden sich Steine aus Italien und sogar Taiwan. Diese Steine sollen das Grab zieren und Julius zu einem Weltenbürger machen.
Die Schwestern aus dem Krankenhaus haben Windräder für Julius gebracht. Damals zur Beerdigung. Diese Windräder bewegen sich im Wind. Sind bunt und lebendig. Auch das Klangspiel und der Kranz mit den Karten für Julius sind bewegte Elemente, die das Grab zieren und lebendig machen durch Klänge, durch Bewegung, durch ihr buntes Aussehen.
Zum Geburtstag hat Julius` Grab neue Windräder bekommen. Bunte. Eines in Form eines Vogels von der Patentante. Wir haben Vogelfutter aufgehängt. Meisenknödel und Futter für das Futterhaus. Und von der Oma ein Kranz aus Beeren, die sich die Vögel picken können.
Wir haben Blumen mitgebracht: von der Tante gabs eine weiße Lilie und von uns Beeren und Rosen. Von einem anderen Sternenjunge und seinen Eltern bekam Julius einen Stein. Wir haben Luftballons aufgehängt und haben einen Leuchtturm aufgestellt. Dort findet sich Platz für eine Kerze. Diese kann nun auf dem Grab leuchten. Für Julius.
So sieht das Grab nun aus.

Wir haben gemeinsam da gestanden. Und das Grab geschmückt. Haben an Julius gedacht und ihn gefeiert. Im Anschluss daran waren wir Abendessen. Gemeinsam.
Der Tag war erfüllend, schwer und doch schön. Wie eben ein Tag schön sein kann, bei dem Trauer und Freude so nah beieinander sind.

